Ernst
Ludwig Kirchner.
Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphik.
Katalogbuch zum 60. Tadestag mit über 220 Werken aus allen Schaffensphasen,
Hg. Magdalena M. Moeller und Roland Scotti, Vlg. Hirmer, 1998, 312 Seiten
mit 260 Abb., davon 200 in farbe, 24x30cm, Leinen, ISBN 3777479705, 98,-
DM
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Ernst
Ludwig Kirchner (1880-1938) gehört zu den Hauptvertretern des Expressionismus.
In Dresden gründete er 1905 zusammen mit Erich Heckel, Fritz Bleyl
und Karl Schmidt-Rottluff die Künstlergruppe "Brücke",
die schon bald auf revolutionäre Weise die deutsche Kunst erneuerte.
Von Anfang an war es das gesteigerte Lebensgefühl, aus dem heraus sich
Kirchners künstlerische Sprache entwickelte. Es ging darum, den optischen
Eindruck unmittelbar festzuhalten. Landschaften, Artisten, Akte, Interieurs
und Badeszenen bestimmen seinen Motivkreis.
Wenn der Dresdener Stil noch stark flächig und von leuchtender Farbgebung
war, so änderte sich der Ausdruck mit Kirchners Übersiedlung nach
Berlin im Herbst 1911. Durch die Konfrontation mit der Großstadt variiert
sein Vokabular. Der Berliner Stil ist gekennzeichnet durch eine schärfere
Bestimmtheit, durch die zunehmende Dichte der Aussage und durch ein stärkeres
Engagement an Umwelt und Gesellschaft. Die Werke resultieren weitgehend
aus der Faszination wie der Ablehnung geoßstädtischen Lebens.
Krass werden innere Empfindung und Realität miteinander konfrontiert.
Stadtlandschaften und Darstellungen der Berliner Kokotten kommen als neue
Bildmotive hinzu.
Nach dem ersten Weltkrieg, nach Krankheit und Sanatoriumsaufenthalten läßt
sich Kirchner für immer in Davos in der Schweiz nieder. Die Alpenlandschaft
und die Menschen, die dort leben, sind nun Gegenstand seiner Kunst. Eine
neue Stufe seines Expressionismus wird erreicht. Das Emotionale und Nervöse
ist nun versteckt unter einer vibrierenden Oberfläche. In Kirchners
letztem Lebensjahrzehnt dominiert ein theoretisch orientiertes Stilwollen,
Stilisierungen der Natur wechseln mit symbolischen, der Phantasie entnommenen
Motiven. Hirmer |